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Automatisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Themen wie diese sind für viele Unternehmen von besonderer Bedeutung, wenn sie sich – vor allem in der Zukunft – auf dem Markt behaupten wollen. Das betrifft auch mittelständische Betriebe wie die Firma Schnupp in Bogen. Dabei zeigt das Familienunternehmen, wie Digitalisierung erfolgreich umgesetzt und durch externe Unterstützung weiter vorangebracht werden kann. Für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein willkommener Anlass, dem Betrieb am Mittwoch einen Besuch abzustatten.
Kaum war der Wirtschaftsminister angekommen, ging es zum Betriebsrundgang mit der Geschäftsführerin Carmen Schnupp. Dabei konnte sich Hubert Aiwanger an mehreren Stationen und im Gespräch mit den Mitarbeitern über die Produkte der Firma informieren, von der Industriehydraulik, über Steuerblöcke bis hin zu Automatisierungstechnik. Es ging aber auch um digitale Hilfswerkzeuge, beispielsweise lasergestützte Messgeräte zur Kontrolle der Produktionsgenauigkeit. Für das Unternehmen ist die Automatisierung und Digitalisierung aber nicht nur Teil der eigenen Produkte. Viele Aufträge seien ohne automatisierte Prozesse und digitale Unterstützung nicht mehr zu erfüllen, sagt Carmen Schnupp. Beispielsweise könne ein Drittel der Steuerblöcke nur gefertigt werden, weil die Produktion vollautomatisch ablaufe.
„Veraltete Technik gehört ins Heimatmuseum“
Dass der Bedarf für automatisierte Fertigungsanlagen besteht, zeige auch das Auftragsbuch der Firma. So gab es laut Schnupp im vergangenen Jahr einen Rekordeingang an Aufträgen. Das komme nicht nur der Firma zugute, sondern auch der Stadt, sagte Schnupp und lacht: Denn „die Bürgermeisterin kann sich weiter über Steuereinnahmen freuen“. Für die Zukunft seien zusätzliche Automatisierungsschritte geplant, etwa ein viertes vollautomatisches Fräszentrum und eine mobile Testanlage, um Automatisierungsprozesse direkt beim Kunden vor Ort zeigen zu können. Hubert Aiwanger äußerte seinen Respekt für die Firma, bei der er „Herzblut und Hirn“ gleichermaßen sehe. Er zeigte sich außerdem erfreut, dass die Automatisierung und Digitalisierung in der Firma so gut funktioniere. Dies zeige einmal mehr, dass durch den digitalen Wandel „keine Arbeitsplätze kaputtgemacht, sondern sie im Gegenteil gesichert werden“. Auf diese Weise könne schließlich der Wohlstand in Bayern gesichert werden, fügte er mit einem Lob an die Unternehmer im Freistaat hinzu. Für Fortschrittsfeindlichkeit fand der Wirtschaftsminister dagegen klare Worte: „Wenn sie Technik anno dazumal haben, ist die Firmenüberschrift ,Heimatmuseum‘.“ Vielmehr gelte es, „aus der Tradition heraus die neuen Ideen einzubinden und das Gute zu bewahren“. Dem stimmte Thomas Schrey, Projektleiter beim Zukunftszentrum Süd, zu: „Wandel gab es schon immer und die Unternehmen sind das gewohnt.“ Dabei finde aber nicht jeder Betrieb einen leichten Zugang zu den Themen rund um Automatisierung und Digitalisierung. Aus diesem Grund gibt es seit dem Jahr 2021 das Zukunftszentrum. Dieses Projekt, unter anderem gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen im Bereich des digitalen Wandelns und der künstlichen Intelligenz. Dabei setzt das Zentrum auf individuelle Beratung, Weiterbildungen und die Vermittlung an Experten, wie etwa von der Technischen Hochschule Deggendorf. Eine der ersten Firmen, die von der Beratung beim Zukunftszentrum Gebrauch gemacht hat, war schließlich Schnupp. Dabei ging es unter anderem darum, wie der Betrieb die Mitarbeiter bei fortschreitender Digitalisierung halten, also „mitnehmen“ könne. Breitbandaus und sichere Stromversorgung In der anschließenden Diskussion gab es noch die Gelegenheit für Carmen Schnupp, aber auch für die Stadt Bogen, dem Wirtschaftsminister bestehende Probleme zu schildern. Für Bogens Bürgermeisterin Andrea Probst stand insbesondere der Breitbandausbau auf der Liste, während Schnupp die Sicherheit der Stromversorgung ansprach. Die müsse „millisekundendicht“ sein, damit die Produktion nicht ausfalle. Dem stimmte Aiwanger zu, räumte dabei Versäumnisse der Regierung ein und versicherte, dieses Thema mit Nachdruck zu verfolgen.
Bogener Zeitung vom 09.02.2023 - von Hans Reimann