04.06.2019
Landratsamtsanbau entsteht vielleicht aus Holz

Derzeit aber noch viele Fragen offen – Einstweilen nur für die Erweiterung gestimmt

Der grundsätzliche Beschluss für den Anbau ans Landratsamt ist gefasst – ob aus Holz und wie genau gebaut werden soll, haben die Mitglieder von Bau- sowie Kreisausschuss in ihrer gemeinsamen Sitzung am Montag aber noch offen gelassen und sich zunächst mehr Informationen gewünscht.

Dass grundsätzlich viel für eine Holzbauweise spricht, in dem Punkt war man sich einig. Das zeigten auch schon die Anträge: Die CSU-Fraktion hatte die Prüfung der bevorzugten Verwendung von Holz beantragt, die ÖDP/PU-Fraktion eine Erstellung in Holzbauweise mit dem höchsten derzeit möglichen Energiestandard.

Was ist „nicht wesentlich“?

Die Frage, bis zu welchem Preisunterschied Holz genommen werden soll, konnte jedoch nicht beantwortet werden. Der Vorschlag von Landrat Josef Laumer für den Beschluss – ein „maximal möglicher Holzanteil, sofern die Kosten gegenüber einem Massivbau nicht wesentlich höher sind“ – stieß nicht auf Gegenliebe: Was „nicht wesentlich“ bedeutet, wollten die Versammelten genauer wissen. Nachdem Hochbau-Chef Wilhelm Gürster Kosten von rund 5,1 Millionen Euro für die derzeit favorisierte Variante vorgerechnet hatte, forderten Ewald Seifert (CSU) und Martin Kreutz (SPD) eine vergleichende Aufstellung, was der Anbau in herkömmlicher Massivbauweise kosten würde.

Möglicherweise wäre das ja sogar mehr: In der vergangenen Woche haben Ausschussmitglieder ein aus Holz gebautes Verwaltungsgebäude des Maschinenrings Neustadt an der Waldnaab besichtigt (wir berichteten), und eine der überraschenden Erkenntnisse war Bernhard Suttner (ÖDP/PU) zufolge, dass der dortige Bauherr Holz als wirtschaftlichste Variante sah. – Allerdings hat der Bau in Neustadt deutliche Unterschiede zum mehrstöckigen Landratsamt.

50 Büroräume geplant

Der Beschluss, den das Gremium schließlich absegnete, nennt nun einen Bedarf von rund 50 Büroräumen, enthält aber noch keinen Hinweis auf das Material oder die Favoritenvariante mit vier Stockwerken. Wolfgang Zirngibl (CSU) gab zu bedenken, mit nur drei Geschossen werde der Brandschutz einfacher. Suttner schloss sich der Idee, einem Architekten Spielraum für Einfälle zu geben, sofort an.

Eine genaue Aufstellung zum künftigen Raumbedarf wollten die Ausschussmitglieder noch haben, allerdings wurde schon in der Sitzung klar, dass die 50 Räume wohl nicht zu hoch gegriffen sein dürften: Wie Geschäftsleitende Beamtin Karin Wutzlhofer ausführte, sollen unter anderem derzeit über die Stadt Straubing verteilte Dienststellen zurück ins Amt geholt werden. In diesem herrscht aber schon jetzt drangvolle Enge.

Das Amt als Vorbild-Bau

Die Vorbildwirkung, die vom Landratsamt in der Region der nachwachsenden Rohstoffe ausgeht, wurde in der Sitzung mehrfach angemahnt. „Kein Rohstoff hat eine bessere Ökobilanz als Holz“, sagte etwa Walter Schubach (Freie Wähler), Erwin Kammermeier (CSU) fragte, wie man von privaten Bauherren erwarten könne, was man selbst nicht tue. Josef Gold (ÖDP/PU), der selbst in einem Holzhaus wohnt, sagte zum Thema Energiestandard, dass eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung in einem Massivbau genauso einzuplanen sei. Vom angenehmen Raumklima bei Holz war ebenfalls die Rede; von guten Erfahrungen mit der Niederwinklinger Kinderkrippe berichtete Ludwig Waas (Freie Wähler).

Die perfekte Planung vor dem Bau sei bei Holz jedoch entscheidend: Das führte unter anderem Suttner an. Er fragte, ob vielleicht Karlheinz Beer als Berater fungieren könne. Dieser war in Neustadt der Architekt und ist Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer. – Suttner hatte in Neustadt auch gefragt, wo die Konstruktion dort hergekommen sei. Die unvermutete Antwort: „Aus Leiblfing . . .“

So lange man sich für diese Diskussion Zeit genommen hatte, so schnell wurden die empfehlenden Beschlüsse in der folgenden Kreisausschusssitzung gefasst: Die Satzung des Berufsschulverbandes soll geändert werden, damit er ein eigenes Schülerheim betreiben kann, der Caritasverband soll für sein Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund mit bis zu 26 468 Euro gefördert werden. Für die Insolvenzberatung der Caritas gibt es eine Zuwendung von 67 947 Euro – dies ist aber Geld vom Freistaat, das nur weitergereicht wird. (Text: – map – )